"Vielfalt und Mehrsprachigkeit in europäischen Kitas!“ Internationale Fachtagung im Europahaus AurichDonnerstag, 3 Januar 2013

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Vom 13.12.12 bis 14.12.2012. konnten Fachkräfte aus der frühkindlichen Bildung aus Tschechien, Litauen, Dänemark, Ostfriesland, Oldenburg und Osnabrück im Rahmen einer internationalen Fachtagung die Zertifikate zur „Europabeauftragten in der frühkindlichen Bildung“ entgegen nehmen. Die Veranstaltung bildete den Abschluss der einjährigen Multiplikatorenschulung im Rahmen des EU-Projektes “Eva – Europa von Anfang an”. Dieses Projekt wird finanziert durch die Europäische Kommission, dem Europäischen Informationszentrum Hannover sowie der Regierungsvertretung Oldenburg.

Koordiniert und geleitet wird das Projekt von Ulrike Seinen-Schatz und Monja Krafft, Mitarbeiterinnen des Europahauses Aurich. Seit Februar 2012 setzten sich im Rahmen einer Multiplikatorenschulung die europäischen Fachkräfte aus der frühkindlichen Bildung in insgesamt 98 Unterrichtsstunden mit ihren unterschiedlichen europäischen Frühpädagogiksystemen und Partnerschafts– und Förderprogrammen sowie Austauschmöglichkeiten auf europäischer Ebene auseinander. Daneben stellten sich als Schwerpunktthemen die Interkulturelle Arbeit und Mehrsprachigkeit in Kitas heraus. Die Multiplikatorinnen entwickelten darüber hinaus innerhalb des Projektes Methoden, Materialien und Ideen für Sensibilisierungsworkshops, die sie auch in ihrer jeweiligen Region für Erzieher/-innen angeboten haben, so dass sich diese Themen in fünf Ländern Europas weiter verbreiten konnten. Die Ergebnisse stellten die Multiplikatorinnen auf der internationalen Fachtagung im Europahaus Aurich vor.

Der erste Tag der Veranstaltung stand ganz unter dem Motto „Frühkindliche Mehrsprachigkeit als Herausforderung für die Zukunft“. Hierzu referierte zunächst Prof. Otto Filtzinger, Leiter des Institutes für Interkulturelle Pädagogik (IPE) in Mainz. Er stelle besonders hervor, dass es wichtig sei, die Familiensprache(n) der Kinder wertzuschätzen und mit in die pädagogische Arbeit einzubeziehen, um die Kompetenzen der Kinder und Eltern in ihrer Familiensprache anzuerkennen und das Potenzial nicht versiegen zu lassen. „Die EU spricht in ihrer Sprachenpolitik davon, dass jede Bürgerin und jeder Bürger, die Möglichkeit bekommen soll, Mindestens drei Sprachen zu lernen. Damit sind nicht unbedingt Englisch oder Französisch gemeint, sondern alle Sprachen dieser Welt. Kinder mit Migrationshintergrund und einer anderen Familiensprache als Deutsch, bringen unheimlich viel Potenzial mit“, so Filtzinger.

Im Anschluss an den Vortrag stellten dann die Multiplkatorinnen der Schulung ganz praktisch in einem Theater-Workshop die mehrsprachige Arbeit in ihren Kitas in Litauen, Tschechien und Dänemark vor und erarbeiteten Möglichkeiten der Umsetzung mit den Teilnehmer/-innen der Tagung. Darüber hinaus ging es im Workshop von Dr. Giovanni Cicero Catanese vom IPE um die Dokumentation der Sprachkompetenzen von mehrsprachigen Kindern in der Kita. Als Beispiel stellte er das Europäische Sprachenportfolio vor.

Das Thema „Vielfalt in Kindertageseinrichtungen leben und gestalten“ stand ganz im Mittelpunkt des zweiten Tages der Veranstaltung. Auch zu diesem Thema referierte Prof. Filtzinger und  machte deutlich, dass die interkulturelle Arbeit in der Kita als Querschnittsaufgabe gesehen werden muss. „Es gilt hier sensibel zu sein, genau hinzuschauen und die pädagogische Konzeption auch mal mit der multikulturellen Brille zu betrachten. Die Grundlage dafür allerdings ist zunächst die Akzeptanz des Anderen.“

Ebenso wurden zu diesen Themen zwei Workshops angeboten. Hier ging es darum,  wie interkulturelle Bildungsprozesse gestaltet werden können und wie Vielfalt durch Bildungs- und Lerngeschichten in der Kita sichtbar gemacht werden kann.

Zum Ende der Fachtagung bekamen alle Multiplikatorinnen sowie die Mitglieder des internationalen Konsortiums, ihre Zertifikate von Helge-Peter Ippensen von der Regierungsvertretung Oldenburg überreicht. Er betonte in seiner Rede noch einmal Wichtigkeit, den Kindern bereits im Kindergarten ein positives Verständnis von Europa zu vermitteln, damit sie einmal aktive und tolerante Bürgerinnen und Bürger Europas werden. Herr Ippensen betonte, dass dieses europäische Projekt auch als Landesinitiative zu verstehen sei und möchte das durch das Projekt entstandene europäische Netzwerk in der frühkindlichen Bildung auch weiterhin gerne unterstützen.

 

v.l.n.r: Helge-Peter Ippensen von der Regierungsvertretung Oldenburg, Britta Bohlen von der Kita Achtermöhlen, Oldenburg, Gunda Uffen vom Moordörper Nüst, Moordorf, Ulrike Heidel vom Kindergarten Hummelburg, Loppersum, Vanessa Harting von der Carl Ossietzky Universität, Oldenburg, Cornelia Janzen von der von Laer-Stiftung Bielefeld, Barbara Bensmann vom nifbe Osnabrück, Florian Born vom DKS Nordschleswig (DK), Laura Frolovaitė von Saules gojus in Vilnius (LT), Zuzanna Podruhová von der Kids Company Praha (CZ), Ute Zander vom Kindergarten Jeising (DK), Monja Krafft und Ulrike Seinen-Schatz vom Europahaus Aurich.

Dokumentation der Abschlusskonferenz